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Pressemitteilung: 3. Auflage Schattenübersetzung

Die dritte Auflage der Schattenübersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist kürzlich vom NETZWERK ARTIKEL 3 e.V. veröffentlicht worden. Kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul hat dazu bei Dr. Sigrid Arnade, Vorstandsfrau im Netzwerk, nachgefragt.

Kobinet: Erklären Sie doch noch einmal für unsere jüngeren Leser*innen, warum es eigentlich eine Schattenübersetzung gibt.

Arnade: Die amtliche deutsche Übersetzung, die 2007/2008 zwischen Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz abgestimmt worden war, ist ohne Umsetzung des Partizipationsgebots der UN-BRK - also ohne Beteiligung behinderter Menschen - zustande gekommen und enthält schwerwiegende Fehler. So ist der englische Begriff „inclusion" mit „Integration" statt mit „Inklusion" übersetzt worden. „Assistance" wurde mit „Hilfe" und nicht mit „Assistenz" übersetzt.
Das wollten wir besser machen, denn Sprache prägt das Bewusstsein.

Kobinet: Warum hat die Schattenübersetzung diesen Namen?

Arnade: Bei den Vereinten Nationen ist es üblich, dass die Staaten Berichte über die Zustände in ihrem Land vorlegen. Dabei werden Probleme in der Regel nicht benannt oder beschönigt. Die Zivilgesellschaft reicht dann sogenannte Schattenberichte ein, die auch als Parallel- oder Alternativberichte bezeichnet werden. Wir halten unsere Übersetzung für korrekter als die amtliche deutsche Übersetzung und hätten sie genauso gut Parallelübersetzung oder Alternativübersetzung nennen können.

Kobinet: Die Schattenübersetzung hatte ja großen Erfolg: Jetzt reden alle von Inklusion. Warum war eine neue Auflage notwendig?

Arnade: Es gab vor allem zwei Gründe: Zum einen ist uns ein Fehler in unserer Schattenübersetzung aufgefallen. Wir haben das englische „participation" mit „Teilhabe" übersetzt. Inzwischen wissen wir aber, dass Partizipation mehr ist als Teilhabe und Elemente von Mitgestaltung und Mitentscheidung enthält. Deshalb haben wir in dieser neuen Auflage „participation" konsequent mit „Partizipation" übersetzt, auch wenn das ein schweres Wort ist. Zum anderen hat Österreich inzwischen auf Drängen des UN-Fachausschusses seine Übersetzung überarbeitet. Die neue österreichische Version haben wir mit der Schattenübersetzung verglichen und Formulierungen übernommen, wenn sie uns eleganter oder korrekter vorkamen. Beispielsweise ist in der amtlichen Übersetzung mehrmals von den „besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen" die Rede. Daraus haben die Österreicher jetzt die „besonderen Erfordernisse" gemacht. Im Englischen heißt es „specific needs". Wir haben den Unterschied verstanden, fanden aber, dass die „besonderen Bedarfe" besser klingen.

Kobinet: Dann wünschen wir der neuen Schattenübersetzung (bitte verlinken mit der pdf) einen ähnlichen Erfolg wie ihren Vorgängern!

 

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Lückenschluss: NETZWERK ARTIKEL 3 legt Dokumentation der Staatenprüfung vor

Titelbild StaatenprüfungDas NETZWERK ARTIKEL 3 hat auf Basis einer Videoaufzeichnung der „International Disability Alliance“  eine Dokumentation des Staatenprüfungsprozess aus dem März 2015 in Genf erstellt. „Dies wäre eigentlich Aufgabe der Bundesregierung gewesen“ betont H.- Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3. „Da es aber von Seiten unterschiedlicher Regierungsstellen abgelehnt wurde, eine Abschrift zu erstellen,  sind wir als Zivilgesellschaft aktiv geworden, damit eine gravierende Lücke in der Aufarbeitung des Prüfungsprozesses geschlossen werden kann.“ Somit liegen nun auch dank der Förderung durch die Aktion Mensch alle Dokumente schriftlich vor: der Staatenbericht, der Parallelbericht der Zivilgesellschaft sowie die die „Abschließenden Bemerkungen“ des Ausschusses und, was bislang noch  fehlte, die Dokumentation des eigentlichen Prüfungsverlaufes.

Mit der Erstellung einer Abschrift und der Veröffentlichung der Fragen und Antworten während des konstruktiven Dialogs sowie den entsprechenden abschließenden Bemerkungen soll nach Ansicht des Netzwerks einerseits dokumentiert werden, was Deutschland noch zu tun hat und wie die derzeitige Situation vom UN-Fachausschuss eingeschätzt wird. Andererseits sollen die Ergebnisse der Staatenprüfung und die Eindrücke derjenigen, die in Genf beim konstruktiven Dialog dabei sein konnten, in Veranstaltungen, Presseberichte, Schulungen und Gremien eingebracht werden. Sie können dazu beitragen, dass die Empfehlungen des Ausschusses im weiteren politischen Prozess entsprechend Beachtung finden und sich eine menschenrechtliche Sichtweise von Behindertenpolitik verstärkt durchsetzt.

Die hier vorliegende Dokumentation, so Heiden, stellt deshalb einen wichtigen Beitrag für Politik, Zivilgesellschaft sowie Wissenschaft und Forschung dar, da neben den Fragen der Ausschussmitglieder und den Ausführungen der Regierungsdelegation auch der mündliche Vortrag der BRK-Allianz vor dem Ausschuss am Vormittag des 26. März 2015 („Thematic Briefing“) und ein zusammenfassendes UN-Dokument aufgenommen wurden. Die „Abschließenden Bemerkungen“, die für Deutschland zum Ende des konstruktiven Dialogs vom Ausschuss beschlossen wurden, sind in dieser Dokumentation sowohl in Englisch als auch in Deutsch zu finden. Einige Fotos verdeutlichen darüber hinaus den Charakter dieser beiden Märztage in Genf.

Wann  die nächste Staatenprüfung Deutschlands, zu der vom Vertragsstaat bis zum 24. März 2019 der kombinierte zweite und dritte Bericht vorzulegen ist, stattfinden wird, ist zwar noch offen. „Vielleicht kann diese Dokumentation aber mit dazu beitragen, den Prozess der stattgefundenen Prüfung besser zu verstehen und die nächste Staatenprüfung  gut vorzubereiten“, so Heiden.

Download des barrierefreien Dokuments (3,7 MB, 152 Seiten)

Printexemplare können gegen eine Schutzgebühr von 5,- Euro (Einzelexemplar inkl. Porto und Verpackung) beim NETZWERK ARTIKEL 3 e.V. bestellt werden. Für Mehrfachexemplare bitte Preis anfragen.

Kontakt: NETZWERK ARTIKEL 3 e.V., Krantorweg 1, 13503 Berlin. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Fax: 030-4364442, Telefon: 030-4364441

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