Schutz 0811

Hamburg, 6. Mai 2026: Rund 700 Menschen haben am 5. Mai 2026 auf St. Pauli für die Rechte von Menschen mit Behinderung demonstriert. Organisiert wurde die Demonstration in Hamburg von SIT’N’SKATE gemeinsam mit weiteren Selbstvertretungen, Aktivistinnen und Unterstützerinnen. Schon bei der Auftaktkundgebung am Grünen Jäger war der Platz nach Informationen der Veranstalter*innen gut gefüllt. Rund eineinhalb Stunden lang hörten die Teilnehmenden Reden von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Perspektiven. Thematisiert wurden unter anderem Barrierefreiheit, Assistenz, Arbeit, Ableismus, Sozialkürzungen, selbstbestimmtes Leben und die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Anschließend zog ein langer Demonstrationszug durch St. Pauli. Auf den engen Straßen wurde sichtbar, wie viele Menschen dem Aufruf gefolgt waren. Auf der Reeperbahn entstand ein großes Gruppenfoto mit Menschen mit und ohne Behinderung, vielen Schildern und klarer Botschaft: Teilhabe ist kein Geschenk. Barrierefreiheit ist kein Extra. Selbstbestimmung ist nicht verhandelbar.

Der Hamburger Protest war Teil eines bundesweiten Protesttags: In vielen Städten gingen Menschen für Gleichstellung, Barrierefreiheit und gegen Kürzungen bei Teilhabeleistungen auf die Straße. Allein in Berlin demonstrierten nach Veranstalterangaben rund 6.000 Menschen. Auch in Hamburg wurde deutlich: Die Behindertenbewegung ist laut, sichtbar und gut vernetzt, teilten die Hamburger Organisator*innen mit.

„Das sind keine Zahlen. Das sind unsere Leben“, sagte David Lebuser von SIT’N’SKATE mit Blick auf die aktuellen Debatten um Sozialkürzungen. „Wenn bei Assistenz, Eingliederungshilfe, Mobilität oder inklusiver Bildung gekürzt wird, dann wird nicht abstrakt gespart. Dann wird Menschen mit Behinderung Selbstbestimmung genommen.“ Auch Aal Bittner von SIT’N’SKATE machte in ihrer Rede deutlich: „Man kann nicht von Inklusion reden – und gleichzeitig die Mittel dafür streichen.“ Christian und Judith betonten in ihrem Redebeitrag: „Wir wollen nichts Besonderes. Wir wollen nur die gleichen Rechte, die gleichen Möglichkeiten, die gleichen Chancen.“

Auch die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes kritisiert SIT’N’SKATE deutlich. Der aktuelle Entwurf mache Barrierefreiheit weiterhin nicht verpflichtend und schone private Anbieter zu stark. „Ein Gesetz, das Gleichstellung verspricht, aber Barrierefreiheit zur Einzelfallverhandlung macht, ist kein Fortschritt“, so Lebuser. Der Protest ende deshalb nicht in Hamburg. Auch in Berlin wird der Druck weitergetragen, wenn die BGG-Reform im Bundestag Thema wird. Aktivist*innen aus Hamburg werden am 7. Mai 2026, dem Tag der ersten Debatte zur BGG-Reform im Bundestag, vor Ort sein, um deutlich zu machen: Diese Reform darf nicht hinter den Rechten von Menschen mit Behinderung zurückbleiben.

SIT’N’SKATE fordert: verbindliche Barrierefreiheit, wirksame Durchsetzung von Rechten, keine Kürzungen bei Assistenz und Eingliederungshilfe, mehr barrierefreien Wohnraum und echte Teilhabe in Bildung, Arbeit, Freizeit, Sport und Politik.