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15.11.2002 - 9:42
Startrampe Aachen

Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl

Aachen (kobinet) Der Arbeitstitel ist vielversprechend: Barrierefreier Tourismus für alle. Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) hat eine solche Publikation auf einem Workshop der heute beendeten Europäischen Regionalkonferenz von Rehabilitation International für das kommende Jahr angekündigt.

«Wir wollen uns mit dieser Arbeit direkt an die Tourismusindustrie wenden», sagte Erwin Pfeiffer von der ADAC-Zentrale in München gegenüber kobinet. Ein Leitfaden, bei deren Erarbeitung der ADAC die Kompetenz der Betroffenen und somit die Erfahrungen der besten Fachleute nutzt, sollte Hoteliers und Tourismusanbietern wertvolle Anregungen geben. Die Publikation, für die Peter Neumann von der Universität Münster gewonnen wurde, entspricht nach Ansicht des ADAC einem nicht mehr länger zu vernachlässigenden Trend, der allein schon wegen der demografischen Entwicklung in den europäischen Ländern vorgegeben ist. Das Aachener Treffen war Auftakt für das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003 und so auch Startrampe für viele neue Ideen und Initiativen.

Jan Troost (links) Lex Frieden   
An Ideen und Möglichkeiten mangele es nicht, meinte der Vorsitzende des Niederländischen Rates chronisch kranker und behinderter Menschen (CG-Raad), Jan Troost. Mit Lex Frieden, dem Vorsitzenden von Rehabilitation International aus den USA, ist er sich darin einig, dass sich meist nur etwas zum Positiven bewegt, wenn die Organisationen der behinderten Menschen starke Netzwerke knüpfen, ihre Forderungen klar formulieren und dann auch den nötigen politischen Druck machen.

Troost nannte unter den jetzt weiter zu verfolgenden Initiativen, die von Maryanne Rönnersten vom Schwedischen Behindertenrat und von Rika Detmers (CG-Raad) zur so genannten Agenda 22. Mit Vertetern aus Frankreich, Mazedonien, Rumänien, der Slowakischen Republik, Ungarn und Philipp Tzou vom Europäischen Behindertenforum berieten die beiden Frauen über ein Netzwerk, um die 22 «Standard Rules on the Equalization of Opportunities for Persons with Disabilities» (kobinet-nachrichten vom 10. November) mit genau umrissenen Plänen in den Kommunen praktisch umzusetzen.

Neue Ideen brachten auch Exkursionen, wobei die Vermittlung guter praktischer Beispiele quasi fest eingeplant war. Ein Ausflug führte zum Tagebau Hambach. Hier fördert RWE Rheinbraun Braunkohle, die in umliegenden Kraftwerken «verstromt» wird. Mit nur fünf Mann Besatzung werden die größten Schaufelradbagger der Welt (90 Meter hoch und 200 Meter lang) eingesetzt. Für den Ungarn Dr. Paul Gadó waren aber weniger die Ausmaße - allein das Schaufeldrad hat einen Durchmesser von der Größe eines achtstöckigen Hauses - beeindruckend als vielmehr der technisch anspruchsvoll ausgestattete Behindertenarbeitsplatz. Ein Rollstuhlfahrer, der nach einer Erkrankung vom Bagger in die Fahrbereitschaft des Tagebaus wechseln musste, zeigte, wie moderne Technik seine neue Tätigkeit ermöglicht. «Noch beeindruckender war für uns dann die Mitteilung, dass das Unternehmen hier im rheinischen Revier rund 800 schwerbehinderte Menschen beschäftigt - also sieben Prozent der Belegschaft», sagte Gadó gegenüber kobinet. Nun interessiere ihn sehr zu erfahren, wie die Beschäftigungsquote in dem ungarischen Tochterunternehmen von RWE ausfällt.

 

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Rolf Barthel   am 17.11.02
 

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